| Produktion: | X-Libris, München - Martin Sauter, Thomas Schöllhammer |
| Editorische Leitung: | Dr. phil. Axel Sanjosé |
| Software:
Programmierung: |
Daiichi Media, Singapur
Lim Jenn Chyang |
| Adressaten: | allgemeines Publikum, Schule |
| Preis: | je 27,00 DM |
| Systemvoraussetzungen: | ab 486er Prozessor, 8 MB RAM, Windows 95 oder Windows 3.1, VGA-Monitor 256 Farben (unterstützt automatisch auch 16 bzw. 24 Bit Farbtiefe) |
Unter Windows 3.11 muß man die CD-ROM mit dem Programm install.exe installieren. Es wird eine Gruppe eingerichtet, mit der man die CD-ROM startet und mit der man später die Gruppe wieder entfernen kann. Zusätzlich entdeckt man im Windows-Verzeichnis jeweils zwei ini-Dateien: Kafka: 011.ini und book1.ini; Fontane: 013.ini und book3.ini; Goethe: 014.ini und book4.ini.
Es gibt weder Handbuch noch begleitendes Material. Eine Hotline gibt es auch nicht und die Onlinehilfe ist sehr dürftig. Ein Hilfebuch, das man von der Startseite per Klick erreicht, bietet zu jedem Element der CD-ROM eine kleine Erläuterungsbox, die versucht, mit Goethezitaten in die Bedienung einzuführen. Die Schaltfläche Ton Ein/Aus wird folgendermaßen erläutert: "Welch tiefes Summen, welch ein heller Ton zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde? (Faust I)" und "Ich bin des trocken Tons nun satt, muß wieder recht den Teufel spielen. (Faust I)". Oder die Erläuterung der Hilfe selbst: "Hier steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor. (Faust I)". Bei ernsthaftem Interesse an einer Einführung verfehlt diese Onlinehilfe völlig Ihren Zweck. Sie setzt auf die intuitive Anlage der Bedienoberfläche, obwohl der Windowsstandard verlassen wird: es gibt kein Menü und keine Fensterkontrolle (Symbol, Vollbild, Wiederherstellen, Verschieben). Durch den fehlenden Symbolknopf ist das parallele Arbeiten mit den gewohnten Programmen (Textverarbeitung, Datenbank) nur möglich, wenn man diese Programme startet, bevor man die CD-ROM aktiviert und wenn man den Windows-shortcut "ALT-TAB" kennt, mit dem man die Windows wechseln kann. Insgesamt bleibt dem Benutzer letztendlich nichts übrig, als sich durch trial-and-error selbst in die Bedienung hineinzuarbeiten.
Die CD-ROM-Programmierung scheint für 14"-Monitore mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel konzipiert zu sein. Benutzt man eine höhere Auflösung, verkleinert sich die Oberfläche so sehr, daß sich der Text sehr schwer lesen läßt. Die Möglichkeit, den Text zu skalieren, ist nicht gegeben.
Der Text kann mit der Maus markiert werden, um die ausgewählte Textstelle zu kommentieren. Textstelle und Kommentar lassen sich dann über eine Schaltfläche in die Textverarbeitung exportieren und weiterverarbeiten. Auch längere Textpassagen lassen sich durch Angeben des Seitenbereiches in die Textverarbeitung übernehmen. Von der mitgelieferten Textverarbeitung kann man dann weiter in sein eigenes Programm exportieren. Der direkte Weg über die Zwischenablage ist nicht möglich. Auch der direkte Aufruf der Textdateien ist nicht möglich, da die Texte in einem programmeigenen Code abgelegt sind.
Die kommentierten Textstellen lassen sich leicht wiederfinden. Man kann auch von Kommentar zu Kommentar springen oder die Kommentarstellen bündeln und gemeinsam in der Textverarbeitung weiterverwenden. Für diese Annotationsfunktion legt das Programm im Windows-Verzeichnis eine Datei an (Kafka: 011.muk; Fontane: 013.muk; Goethe: 014.muk), die mit der Menge der Annotationen rapide wächst. Diese Datei wird ohne Vorwarnung gelöscht, wenn man aus Windows 3.11 das uninstall-Programm aktiviert.
Die Texte Franz Kafkas folgen der Ausgabe: Franz Kafka: Gesammelte Werke. Hg. Max Brod. 3. Auflage. New York: Schocken Books Inc. 1963. Die Reihenfolge der »Erzählungen aus dem Nachlaß und aus einzelnen Veröffentlichungen« richtet sich nach der Chronologie in der kritischen Ausgabe der Werke (Frankfurt a. M. 1990).
Die "Biographie" von Sven Precht führt auf 22 Seiten mit den wichtigsten Fakten und geschmückt mit einzelnen Bildern in das Leben Kafkas ein. Die Bilder am Rand lassen sich per Doppelklick "aufschlagen". Sie werden durch Tagebuchstellen oder durch Ausschnitte aus Briefen erläutert. Eine Bilder-"Galerie" von Schriftstellern ergänzt die Biographie durch Zitate der gezeigten Schriftsteller über Kafka und sein Werk.
Ein Abriss der "Epoche" von Axel Sanjosé wird auf 22 Seiten kompakt und informativ geleistet und durch eine "Bibliographie" (13 Seiten) ergänzt, die eine Auswahl der fast unübersehbaren Kafkaforschung anbietet. Jedem Roman und einigen Erzählungen ist eine Einführung und ein Inhalts-Abstract (Kurzinhalt) beigegeben.
Die "Biographie" (22 Seiten) ist ordentlich. Wie bei der Kafka-Bibliothek ergänzen skalierbare Bilder mit ausführlichen Untertiteln die Biographie. Die Bilder-"Galerie" von Schriftstellern, die durch Zitate der gezeigten Schriftsteller das Werk kommentieren, ist auch hier vorhanden.
Der "Epochen"-Abriß wird auf 13 Seiten ebenfalls kompakt und informativ geleistet und durch eine "Bibliographie" (27 Seiten) ergänzt, die eine umfangreiche Auswahl der Fontaneforschung anbietet.
Die "Biographie" führt auf 22 Seiten Goethes Leben in Lebensphasen vor. Die Bilder am Rand, die sich per Doppelklick "aufschlagen" lassen, ergänzen die Biographie durch zusätzliches Material der Goethezeit. Die "Galerie" wie in den früheren Bibliotheken.
Zum Abriss der "Epoche" von Axel Sanjosé auf 23 Seiten und zur "Bibliographie" (30 Seiten) ist jedem Werk eine Einführung und ein Inhalts-Abstract (Kurzinhalt) beigegeben. In die Lyrik führt ein achtseitiger Essay von Maximilian Rank und Axel Sanjosé ein.
Diese CD-ROM-Ausgabe der Kafkaschen Texte eignet sich für kleine statistische Untersuchungen. Für weitere Untersuchungen oder zur reinen Lektüre wird man weiterhin zur gedruckten Ausgabe greifen.
Es gibt auf der CD-ROM keine konkrete Auskünfte über die verwendete Textgrundlage, so daß ein Vergleich mit der Vorlage nicht möglich war. Stichproben zeigen jedoch, daß es sich durchaus um eine "gute" Leseausgabe handelt, die aber nicht "verläßlich" ist. Fachpublikum kann sich auf diese Ausgabe nicht berufen.