Lyrik Kabinett Online




Lesungen und Veranstaltungen Sept.-Dez. 1997









 

Zwei slowenische Dichter
Kajetan Kovic und Zarko Petan
lesen aus ihren Gedichten
(slow./dtsch.)

Einführung und Moderation:
Mikolaj Klaus E.Dutsch

Am Donnerstag, dem 4.September 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Forum (3.Stock), Salvatorplatz 1
Das Generalkonsulat der Slowenischen Republik
lädt im Anschluß zu einem Glas Wein ein.

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur und der
Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Kajetan Kovic, geb.1931 in Maribor, ist Lyriker, Essayist, Romancier, Übersetzer (Heine, Mallarme, Rilke, Pasternak). Kovics thematische Spannweite oszilliert zwischen Gesellschaft und Natur. War bis Anfang der siebziger Jahre seine Kritik vornehmlich gegen die Gesellschaft gerichtet, so wendet er sich später - diese allerdings bejahend - der Natur zu. In seinem lyrischen Werk erweist er sich als Meister des Verses und des Stils, tief verwurzelt in der slowenischen und europäischen Tradition. Eine Auswahl seiner Gedichte wurde im Februar 1995 in der Zeitschrift "Akzente" vorgestellt.

Zarko Petan, geb. 1929 in Ljubljana, ist Schriftsteller, Hörspielautor und Regisseur. Nach der Wende war er Generalintendant des Slowenischen Rundfunks und Fernsehens. Er ist hauptsächlich als Aphoristiker und Theaterregisseur hervorgetreten, schreibt aber auch Gedichte. In deutscher Sprache erschien 1994 "Die Welt in einem Satz. Neue Aphorismen und kleine Lyrik" im Verlag Styria, der auch seine Aphorismenbände verlegt.

Mikolaj Klaus E.Dutsch, geb.1934 in Karlsruhe, studierte Polonistik, Germanistik, Slawistik und Geschichte in Karlsruhe, Breslau, Lodz, Krakau, München und Ljubljana. Zahlreiche Aufenthalte in Ost- und Südosteuropa, u.a. als Berichterstatter für Hörfunk und Fernsehen. Lebt seit 1958 bei München. Übersetzer aus dem Polnischen, Russischen, Serbokroatischen, Slowenischen und Tschechischen.


     Geschichte

     Aus fernen Landen
     kam er
     zu dir.
     Auf einem niedrigen Pferd
     ritt er lange
     aus den Steppen im Osten.
     Aus der Tundra trieb er 
     auf deiner Fährte 
     Herden von Hirschen.
     An nächtlichen Feuern
     und in finsteren Zelten
     liebte er
     deine künftige Gegenwart.
     Jahrelang baute er ein Haus,
     um in ihm deine ungeborene,
     doch schon verheißene
     Stimme zu hören.
     .....
          		Kajetan Kovic


     Wer viele Sprachen beherrscht, ist bei uns arm dran.
     Er muß den Mund in mehreren Sprachen zugleich halten.

                                        Zarko Petan

 









 


"Von Profession ein Wortemacher"

Die Gesammelten Gedichte
von Peter Gan
vorgestellt von Friedhelm Kemp

Am Dienstag, dem 16.September 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Forum, Salvatorplatz 1


Mit Unterstützung des Kulturreferats / Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99


Peter Gan, geb. 1894 in Hamburg, studierte Rechtswissenschaft in Marburg, Bonn und Hamburg; nach der juristischen Promotion noch Studium der Anglistik und Philosophie. Seit 1927 freier Schriftsteller. 1938 Flucht nach Paris, 1942 weiter nach Spanien. Von 1946 - 1958 lebte er in Paris, dann Rückkehr nach Hamburg, wo er 1974 starb. Vor dem Krieg war Peter Gan, mit bürgerlichem Namen Richard Möhring, u.a. Korrespondent der Frankfurter Zeitung und Mitarbeiter des Atlantis-Verlags, nach dem Krieg verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Übersetzer literarischer Werke aus dem Englischen und Französischen. "Es ist kein Zweifel, daß Peter Gan die heitersten, lustigsten Gedichte seit Morgenstern geschrieben hat, sprühende und knisternde Gebilde in denen die Erdenschwere zauberisch aufgehoben erscheint; dicht daneben stehen jene anderen, die nicht minder kunstvoll auf dunkeln Grund gezogen sind, von dem sich ihre zarte, dem Spiel nie ganz entfremdete Liniatur abhebt." (Max Rychner)

Friedhelm Kemp, geb.1914 in Köln, Essayist und Übersetzer, vor allem aus dem Französischen.


	     MEIN LESER ...

        Mein Leser, sieh, mich hat das Grab.
        So hängt es einzig von dir ab,
        ob Kronos allen Lichtverbleib
        mir, meinem Nachlaßschattenleib,
        verwehren soll. So bitt ich denn
        dich innig: lies mich! oder wenn
        du keine Zeit zum Lesen hast,
        lad deinen Freund bei mir zu Gast!
        Schenk (antiquarisch) ihm mein Buch,
        daß er es lese und den Fluch:
        ganz zu verschwinden, von uns wende.
        In seine, deine, eure Hände
        leg ich mein Buch und mich dazu:
        das Buch aufs Pult, und mich zur Ruh.

 









 


HAIKU - "Live"

Workshop

Wir schreiben Haiku mit japanischen Haiku-Dichtern.

Einführung/Anleitung: Frau Hiroko Yamada
Moderation: Peter Pörtner
Die besten Haikus werden prämiert.

Am Dienstag, dem 23. September 1997
um 17 Uhr
Im Literaturhaus, großer Saal, Salvatorplatz 1

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Bayern e.V. und der Stiftung Literaturhaus sowie mit Unterstützung der Japanischen Gesellschaft für das traditionelle Haiku.


Teilnahmebedingungen:

- Am Workshop kann jeder teilnehmen, der einigermaßen weiß, worum es geht - die grundlegenden Begriffe werden vorausgesetzt.

- Um schriftliche Anmeldung möglichst bis zum 1.September 1997 wird gebeten: Deutsch-Japanische Gesellschaft in Bayern e.V., Marienplatz 1, 80331 München, Fax: 089-228 95 98 oder Lyrik Kabinett e.V., Postfach 440 204, 80751 München.

- Für Nichtmitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft bzw. des Lyrik Kabinett beträgt die Teilnahmegeböhr DM 15,-. Die Überweisung sollte gleichzeitig mit der schriftlichen Anmeldung erfolgen auf das Konto der Deutsch-Japanischen Gesellschaft bei der Dresdner Bank AG, München, Nr.0331 642 700, BLZ 70080000.


     Five, seven and five
     learn it, live it and love it
     that's the way it goes.

 









 


"Mystik für Anfänger"

Adam Zagajewski

liest aus seinem neuen Gedichtband
(poln./dtsch.)

Am Donnerstag, dem 25.September 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Bibliothek, Salvatorplatz 1.

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99


Adam Zagajewski, geboren 1945 in Lemberg, studierte Psychologie und Philosophie in Krakau. Er kam 1979 öber den DAAD nach Berlin, anschließend Reisen in die USA und nach Frankreich. Seit 1982 lebt er in Paris und lehrt in den USA. Zagajewskis Werk wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Kurt-Tucholsky-Preis der Stadt Stockholm und der Literaturpreis der Alfred Jurzkowski- Stiftung in New York. Im Hanser-Verlag erschienen bereits vorher der Roman "Der Dönne Strich" (1985), die Essays "Solidarität und Einsamkeit" (1986) und der Band "Gedichte" (1989), aus dem Zagajewski seinerzeit im Lyrik Kabinett las.

Adam Zagajewski: Mystik für Anfänger. Gedichte. Aus dem Polnischen öbertragen und herausgegeben von Karl Dedecius. Hanser Verlag 1997.


        Geländer

        Leider - sagt R. - zwischen dem Sein
        und dem Nichtsein gibt es kein Mittelding,
        nichts, nicht einmal einen Korridor, nicht einmal ein Geländer,
        auf das sich die müden Adler niedersetzen könnten.

 









 



"The Silo"
A Pastoral Symphony

John Kinsella
liest aus seinem Gedichtband
engl./dtsch.
Einführung und Übersetzung: Margitt Lehbert

Am Mittwoch, dem 1.Oktober 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Seminar, Salvatorplatz 1

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

John Kinsella wurde 1963 in Westaustralien geboren. Bisher hat er etwa ein Dutzend Gedichtbände veröffentlicht, 1997 die experimentelle Erzählung "Genre". Zur Zeit arbeitet er für Oxford University Press an einer Anthologie australischer Gegenwartslyrik sowie am Oxford Book of Australian Pastoral Verse. Sein Vers-Drama "Crop Circles" steht kurz vor der Aufföhrung. Er ist Herausgeber der Literaturzeitschrift "Salt". Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt, u.a. ins Französische, Deutsche, Chinesische und Holländische. " "Wheat fires, salt hollows, lightning as a type of razor wire, lymphatic fog, parrots with bolt-cutter beaks - here 's an anamnesis of rural Australia, but a poet unafraid to honour it with the full stretch of his language." (Les Murray on "The Silo")
Weitere Informationen zu Kinsella


        The bird seen first time here
        in forty years sings lightly
        on the wire, you turn to touch
        the shoulder of a friend
        and turning back together
        find nothing but sky
        and wire trembling.

 









 



Moderne Portugiesische Lyrik
vorgestellt von
Curt Meyer-Clason
Eingerahmt von Gitarrenmusik


Am Dienstag, dem 7.Oktober 1997
um 20 Uhr
In der Künstlerwerkstatt Lothringerstraße 13
in der gleichzeitig die Ausstellung
"Linha de costa - Küstenlinie"
Zeitgenössische Kunst aus Portugal
gezeigt wird.

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Curt Meyer-Clason wurde 1910 in Ludwigsburg geboren. Er absolvierte eine Banklehre und wurde Baumwollkaufmann. Sein Beruf führte ihn 1936 nach Brasilien und Argentinien, wo er bis 1954 tätig war. Seit 1955 lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzter in München, als Vermittler der iberischen und latein-amerikanischen Literatur. Von 1969 - 1977 leitete er das Goethe-Institut in Lissabon.

1975 erhielt er den Übersetzer-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 1993 erschien seine Anthologie "Portugiesische Lyrik des 20.Jahrhunderts" bei dtv, in der 32 Autoren vorgestellt werden.


In Zusammenarbeit mit Lusofonia, Gesellschaft für die Verbreitung der Kulturen aus Portugiesischsprachigen Ländern, dem Europäischen Patentamt und dem Kulturreferat.


        Ich spreche ...

        Ich spreche von der ersten Freiheit
        Vom ersten Tag der Meer war und Licht
        Tanz, Wind, Astwerk und Geheimnisse
        Und eine so früh verstorbene erste Liebe,
        Daß sie sich in allem verkörperte was lebte.

        Sophia de Mello Breyner Andresen
        Aus: No Tempo Dividido, 1954

 









 



"metaphora"
Eine neue Literaturzeitschrift stellt sich vor
Schwerpunkthema des ersten Heftes:
Zeitgenössische portugiesische Literatur

Aus ihren Gedichten lesen:

Luis Filipe de Castro Mendes
und
Fernando Pinto do Amaral
(portug./dtsch.)


Am Freitag, dem 10.Oktober 1997
um 20 Uhr
In der Künstlerwerkstatt Lothringerstraße 13
zwischen den Skulpturen der Ausstellung

In Zusammenarbeit mit Lusofonia, Gesellschaft für die Verbreitung der Kulturen aus Portugiesischsprachigen Ländern, dem Europäischen Patentamt und dem Kulturreferat.

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99



Luis Filipe de Castro Mendes, geb.1950, ist Lyriker und Romancier. Nach seinem Abschluß in Jura schlug er die diplomatische Laufbahn ein, heute ist er Kabinettchef des Staatssekretärs im Außenministerium in Lissabonn. Als Lyriker trat er erstmals in den 80ere Jahren mit einer Auswahl seiner Gedichte in Erscheinung. Er liest aus dem neuen Band "Modos de Musica" - "Arten von Musik" (1996).

Fernando Pinto do Amaral, geb.1960 in Lissabonn, begann mit einem Medizinstudium und wechselte dann zur Literatur. Heute ist er Lyriker, Literaturkritiker und Hochschul- dozent. Mit einer melancholischen und herbstlichen Lyrik, in der die Tradition eines Baudelaire anklingt (dessen "Fleurs du Mal" er übersetzt hat), zählt sein poetisches Werk bisher drei Titel: Acedia (1990), Escada de Jacob (1993) und As Cegas (1997). Er liest Gedichte aus der "Jakobsleiter".

metaphora: Herausgegeben von Jost G.Blum und Michael v. Killisch-Horn

Im Anschluß an die Lesung Gelegenheit zu einem Gespräch mit Herausgebern und Autoren bei portugiesischen Spezialitäten.


        Beim Wiederlesen alter Verse
        .........
        Die Straße hinunter zum kleinen Platz
        und zur Umgebung des Hauses; 
        	        das Licht lebt wieder auf
        im Ocker der Wände, wie einst
        im Vers. Und die Palme im Garten schlägt
        den Takt der Zeit.
        .........
	                 Luis Filipe de Castro Mendes


        Botschaften
        Unsichtbar kehren die Wörter zurück
        ins Halbdunkel, das herabsinkt und mich
        fast schweigend umarmt. Die Straßen der Stadt
        enthüllen jedes Gesicht der Vergangenheit ...
                                     Fernando Pinto do Amaral 

 






 


"Die fünfte Jahreszeit"

Diana Kempff
liest ihre Gedichte


Am Sonntag, dem 12.Oktober
um 20 Uhr
in der Villa Waldberta in Feldafing am Starnbergersee

Lesung im Rahmen eines literarischen Wochenendes in der Villa Waldberta - Näheres siehe Literatur Blatt.

In Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat / Literatur
und der Villa Waldberta.

Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99


Diana Kempff, geb.1945 in Thurnau in Oberfranken, lebt in Ammerland am Starnbergersee.

Werke u.a.:

"Vor allem das Unnützliche", Gedichte, 1975;
"Fettfleck", Roman, 1979;
"Hinter der Grenze", Roman, 1980;
"Der vorsichtige Zusammenbruch", Prosa, 1981;
"Herzzeit", Gedichte, 1983;
"Der Wanderer", Phantasie, 1985;
"Das blaue Tor", Prosa und Gedichte, 1989;
"Die fünfte Jahreszeit", Gedichte, 1995.


        Sonntags
        grad aufrecht daß die Sitze knackten
        die Hände über dem gesmokten Kleid
        Kreuzstich
        Herzstich
        die Stühle sonnten sich

 









 



"In den Wind werfen."
Versuche über Metabarbarisches

Gerschon Ben-David
(1930 Köln - 1975 Jerusalem)

In dem vorgestellten Band sind zwei Stimmen zu hören:
Die poetische Stimme die dokumentarische Stimme
wird von
Stella Avni Renate Birkenhauer
verkörpert.




Am Mittwoch, dem 22.Oktober 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Forum oder Bibliothek, Salvatorplatz 1

Mit Unterstützung des Kulturreferates/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: Dm 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99



Gerschon Ben-David, Kind einer jüdischen Mutter, wuchs in Köln bei Pflegeeltern auf. Sofort nach dem Krieg machte er sich auf die Suche nach seiner eigenen jüdischen Familie und gelangte so nach Bergen-Belsen. Mit den Überlebenden, unter denen er seine Angehörigen nicht fand, gelangte er 1947 nach Israel. Mitte der 50er Jahre begann er zu schreiben, und zwar auf deutsch. Er gehört weder zu denen, die schon als Dichter nach Israel kamen und auf deutsch weiterschrieben wie Werner Kraft und Else Lasker-Schüler, noch zu denen, die wie Jehuda Amichai, Dan Pagis und Tuvia Rübner bewußt ins Hebräische übergingen.
1962 Mitarbeit an einem "Oral History"-Projekt der Hebrew University Jerusalem über Auschwitz; während eines Studienaufenthalts in Deutschland hörte er die Aussagen von Tätern vor dem Auschwitzprozeß in Frankfurt.
So entstand über die Jahre in immer stärker verdichteten Zyklen ein überpersönliches und vielschichtiges Bild.

Stella Avni, Schauspielerin, stammt aus Czernowitz; spielte am Nationaltheater Habima in Israel und am Düsseldorfer Schauspielhaus, u.a. in Dürrenmatts "Meteor", in Heiner Müllers "Macbeth".
Renate Birkenhauer leitet den Verlag Straelener Manuskripte.
Gerschon Ben-David: In den Wind werfen. Versuche um Metabarbarisches. Gedichte hebräisch und deutsch. Hg. von Renate Birkenhauer und Otto Dov Kulka. Straelener Manuskripte Nr.13, 1995.


        ALLEIN eine Esse
        und das Korn grauer Winde
        stören den Schlaf.

        Ich sitze am Rand der Posaune
        nicht klüger als Noah
        doch die Brücke sägt schnell
        fauliges Holz.

        Auch die Tauben haben ihre Flügel abgelegt
        und die Flut ist voll
        zu verschlingen;
        denn wir haben die Lagerfeuer
        gelöscht und die Leuchttürme
        von Oswiecim.

        Allein eine Esse und Wind.

 









 


"Es gibt im Nirgendblau..."

Ernst Meister
(1911-1979)

Einführung in Leben und Werk: Reinhard Kiefer
Die Gedichte liest Michael Krüger

Am Montag, dem 27.Oktober 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Forum, Salvatorplatz 1

In Zusammenarbeit mit dem Rimbaud Verlag sowie mit
Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Ernst Meister, geb.1911 in Hagen, Westfalen, studierte ab 1930 zunächst Evangelische Theologie, später Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Marburg, Frankfurt und Heidelberg, u.a. bei Karl Löwith und Hans-Georg Gadamer.
1932 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband "Aus- stellung". Von 1939 bis 1960 war er Angestellter in der Fabrik seines Vaters, im Krieg Soldat (Rußland, Frankreich, Italien). Nach zwanzigjähriger Publikationsabstinenz erschienen ab 1953 fast zwanzig Gedichtbände. Auch seine malerische Begabung, bereits in der Schulzeit zutage getreten, führte zu einer solchen Bildproduktion, daß diese kaum nur als spielerisches Nebenerzeugnis betrachtet werden kann: "... sie stellt Ernst Meister in den Kreis der Doppelbegabungen." (P.Römisch- Sommer)
Ernst Meister erhielt 1957 den Droste-Hülshoff-Preis, 1976 den Petrarca-Preis gemeinsam mit Sarah Kirsch; bevor er den Büchner-Preis entgegennehmen konnte, starb er im Juni 1979 in seiner Heimatstadt.
"Selten hat sich ein Dichter so weit in den Tod hinein- gewagt wie Sie. Das ist Ihr Sieg." (E.M.Cioran, Brief vom 17.April 1979)

Reinhard Kiefer, geb.1956 in Westfalen, promovierte 1989 über "Die negative Theologie im Werk Ernst Meisters". Selber Autor von Gedichten, gibt er die Gesamtausgabe der Lyrik Ernst Meisters im Rimbaud-Verlag heraus.


        ES GIBT
        im Nirgendblau
        ein Spiel, es heißt
        Verwesung.

        Es hängt
        am Winterbaum
        ein Blatt, es
        dreht und
        wendet sich.

        Ein Schmetterling
        ruht aus
        auf Todes
        lockerer Wimper.

 









 



"Gottes blinde Augen"

RAJZEL ZYCHLINSKI
Gedichte
jiddisch/deutsch

Einführung und Lesung: Karina Kranhold

Am Dienstag, dem 4.November 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Bibliothek, Salvatorplatz 1

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99


Rajzel Zychlinski wurde 1910 im polnischen Gabin geboren.
Auf Grund ihrer Gedichte (!) wurde ihr Anfang der 30er Jahre eine Stelle als Verwalterin eines Waisenhauses angeboten. Ihr erster Gedichtband erschien 1936 in der Bibliothek des Jiddischen PEN mit einem Vorwort von Itzik Manger. Inzwischen Bankangestellte in Warschau, ent- schließt sie sich nach dem Überfall der Deutschen zur Flucht, die über Lemberg und Ostgalizien ins sowjetische Kasan führt. 1942 wird ihr einziger Sohn Marek geboren, ihr Mann dient als Arzt in der Roten Armee. Das Kriegsende erlebt sie in Astrachan, 1946 kehrt sie mit ihrer Familie nach Polen zurück. Von 1948-51 lebt sie in Paris, seitdem in Amerika: in New York, wo sie ein Studium nachholt, dann in Florida, Kanada, Kalifornien, und seit dem Erdbeben 1989 wieder in New York.
Werke: "Lieder", 1936; "Der Regen singt", Warschau 1939; "Zu lichten Ufern", Lodz 1948; "Schweigende Türen", New York 1962; "Herbstliche Plätze", New York 1969; "Die Novembersonne", Paris 1977; "Vogelbrot" (dtsch.Auswahl), Leipzig 1981; "Gottes blinde Augen", hg.und übersetzt von K.Kranhold, Berlin Oberbaumverlag 1997.

Karina Kranhold, geb.1960 in Thüringen, lebt in Marburg.
Studium der Germanistik, Übersetzungen aus dem Jiddischen.
Promoviert über Rajzel Zychlinski; zur Zeit Studienaufenthalt in New York.
Eigene Veröffentlichung: "Findekind". Gedichte. Wien 1995.


        Nachts,
        wenn ich schlafe,
        wacht an meinem Bett
        mein Skelett,
        auf weißen Knien -
        eine weiße Fiedel.
        Aus den Augenhöhlen
        strömt die Mondscheinsonate
        in meinen Traum.

 









 


"Die Affenmaske"

Dorothy Porter
liest
aus ihrem lesbischen Kriminalroman,
der aus lauter Gedichten besteht.
(engl./dtsch.)

Die deutschen Texte liest Axel Wostry.
Fällt aus. Lesereise wurde leider abgesagt

Im Literaturhaus, Forum, Salvatorplatz 1

In Zusammenarbeit mit dem Residenz Verlag
sowie mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99


Dorothy Porter, geb. 1954 in Sydney, promovierte 1975 an der dortigen Universität und veröffentlichte im selben Jahr ihre erste Gedichtsammlung. Sie unterrichtete creative writing und ist heute Lektorin für Poetik und Poesie an der University of Technology, Sydney. Ihre Gedichte erschienen in zahlreichen Zeitschriften und wurden in bisher sechs Bänden gesammelt.
"Sensuous and sharply witty, Porter's finely honed lyrics are charged with an immediate rhythmic energy and strikingly original imagery..... The Monkey's Mask, clever, satirical and written in verse, is a tongue-in- cheek crime thriller at the centre of which is a lesbian love affair. It won the Age Book of the Year Award for poetry in 1994." (Australian Poets & Their Works. A Reader's Guide. Oxford University Press 1996)
Dorothy Porter: Die Affenmaske, Residenzverlag 1997, aus dem australischen Englisch von Uwe Wuttke

Axel Wostry, geb. 1955 in Bremen, studierte Germanistik und Anglistik und ist als Sprecher und Regisseur vorwiegend beim Bayerischen Rundfunk beschäftigt.



        Mickey wurde erwürgt.

        Genug von ihr übrig,
        um das sicherzustellen.

        Diana legte ihre Hände
        um meine Kehle

        "Willst sehen wie's ist?"

        und drückte ihre Handballen
        zusammen

        ihre Lippen strichen über meine Augen
        ihr Knie in meiner Möse

        ich zuckte zwischen Ersticken
        und Kommen

        und weiß nicht mehr, ob's schön war
        oder nicht.

 









 


"Poems for the Millenium"
Jerome Rothenberg
liest Gedichte und stellt seine,
zusammen mit Pierre Joris herausgegebene Anthologie vor.

Einführung und Moderation: Michael Köhler,
Amerikanist und Tonbandverleger (Edition S-Press)

Am Sonntag, dem 09.November 1997
um 20 Uhr
Im Amerikahaus, Erdgeschoß, Karolinenplatz 3

Eine gemeinsame Veranstaltung von Lyrik Kabinett
und Amerikahaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99, Amerikahaus: 552 5370

Jerome Rothenberg, geb. am 11.12.1931 in New York, stammt aus einer jüdisch-polnischen Familie. Sein Werk umfaßt über 50 Bände, darunter: Poems for the Game of Silence; Poland / 1931; A Seneca Journal; Vienna Blood; That Dada Stain; New Selected Poems 1970-85; Khurbn & Other Poems; The Lorca Variations.

Rothenberg ist heute Progessor für "Visual Art and Literature" an der University of California at San Diego. Weitere Informationen zu Rothenberg


	TWENTIETH CENTURY UNLIMITED


	as the twentieth century winds down
	the nineteenth begins
	again

                      it is as if nothing happened
	     though those who lived it thought
	     that everything was happening
  	     enough to name a world for & a time
	     to hold it in your hand
	     unlimited    the last delusion
	     like the perfect mask of death

 









 


"Die Erfindung der Poesie"
Gedichte aus den ersten viertausend Jahren
Raoul Schrott
liest
aus seiner neuen Anthologie

Am Donnerstag, dem 13.November 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Forum, Salvatorplatz 1

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Raoul Schrott, geb. 1964 in Landeck, Tirol, aufgewachsen in Tunis und in Seillans (und Innsbruck) zuhause. Studium der Germanistik und Anglistik in Innsbruck, Paris und Norwich. 1995 Leonce-und-Lena-Preis.

Bisherige Publikationen: Dada 22/22 (1988); Makame (1989); Die Legende vom Tod (1990); Rime (1991); Dada 15/25 (1992); Sub rosa (1993); Hotels (1995); Finis terrae (1995); Die Musen. Fragmente einer Sprache der Lyrik (1997).

Der neue Band erscheint als Nr.154 der von H.M.Enzensberger herausgegebenen Reihe "Die andere Bibliothek".


        Wenn du die liebe die ganze nacht
        gefangen hältst dein finger auf den
        spitzen ihrer brüste wie ein vergiß
        mein nicht auf einer offenen hand -
        
        so werden wir draußen warten und
        singen von dir und ihrer liebe - doch
        sobald du wieder wach wirst geh und
        laß auch uns zum schlafen kommen

        Sappho (fragment 39D, Nachdichtung R.S.)

 









 



"Wie schön sind wir zwei uns - fremd"

Ralph Dutli
liest (russisch und deutsch) Gedichte von
Ossip Mandelstam
und
Marina Zwetajewa

Am Donnerstag, dem 20. November 1997
um 20 Uhr
Im Literaturhaus, Bibliothek, Salvatorplatz 1

Mit Unterstützung des Kulturreferats/Literatur
und der Stiftung Literaturhaus

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

MARINA ZWETAJEWA, am 8.Oktobrer 1892 in Moskau geboren, lebte ab 1922 als Emigrantin in Berlin, Prag und Paris. 1939 kehrte sie nach Sowjetrußland zurück. Am 31.August 1941 beging sie in Jelabuga Selbstmord. "In Zwetajewas Stimme schwang etwas dem russischen Ohr Unbekanntes und Erschreckendes: daß die Welt unannehmbar ist." (Joseph Brodsky)

OSSIP MANDELSTAM, am 15.Januar 1891 in Warschau geboren, "Rußlands größter Dichter dieses Jahrhunderts" (Joseph Brodsky). Aufgrund eines Epigramms gegen Stalin, in dem der Diktator als "Seelenverderber und Bauernschlächter" entlarvt wurde, im Mai 1934 verhaftet und nach Woronesch verbannt. Er starb am 27. Dezember 1938 in einem Zwangsarbeitslager in der Nähe von Wladiwostok.

RALPH DUTLI ist Essayist, Lyriker, Übersetzer und Herausgeber der bisher achtbändigen Ossip-Mandelstam- Ausgabe im Ammann Verlag Zürich, wo auch seine drei Bücher über den russischen Dichter erschienen sind. Neu im Herbst 1997 edierte er ebenfalls bei Ammann "Liebesgedichte" von Marina Zwetajewa (mit Zeichnungen von Leiko Ikemura).



        Keiner hat es je überwunden!
        Wie schön sind wir zwei uns - fremd.
        Ich küsse dich - über Hunderte
        Wersten von dir getrennt.

        Ungleich sind, ich weiß, unsere Gaben, 
        Meine Stimme zum erstenmal - still.
        Ist dir, du mein junger Derschawin,
        Mein Vers nicht zu ruppig, zu schrill?

        Für den schrecklichen Flug gesegnet:
        Junger Adler, zum Himmel gekehrt!
        Die Sonne ertrugst du, ohne Regung -
        Mein Blick ist dir plötzlich zu schwer?

        So zärtlich und unwiderrufen
        Hat dir noch keiner nachgeblickt ...
        Nimm diesen Kuß - über Hunderte
        Trennender Jahre geschickt.

 









 


Heinrich Heine
(1797-1856)

"Bei den Wassern Babels.
Heinrich Heine. Jüdischer Dichter der Moderne".

Klaus Briegleb
liest und erläutert Heines Dichtung - im Austausch mit
seinen Zuhörern - anhand seines neuen Buches.

Am Freitag, dem 21.November 1997
um 20 Uhr
In der Ludwig-Maximilians-Universität, Kleine Aula
Anschließend kleiner Imbiß.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Taschenbuch

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Klaus Briegleb, Literaturhistoriker, Prof. em. an der Universität Hamburg, ist Herausgeber der "Sämtlichen Schriften" Heinrich Heines bei Hanser (1968-1976), die jetzt auch im dtv vorliegen. Arbeiten zur deutschen Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhunderts (zuletzt zur Gruppe 47), zur Literaturtheorie, Wissenschaftsgeschichte und politischen Sprachkritik sowie zu den jüdisch-deutschen Kulturbeziehungen in der Literatur.
Eine Sammling Heine Gedichte


        Bei den Wassern Babels saßen
        Wir und weinten, unsre Harfen
        Lehnten an den Trauerweiden -
        Kennst du noch das alte Lied?
        
        Kennst du noch die alte Weise,
        Die am Anfang so elegisch
        Greint und sumset, wie ein Kessel,
        Welcher auf dem Herde kocht?
        
        Lange schon, jahrtausendlange
        Kochts in mir. Ein dunkles Wehe!
        Und die Zeit leckt meine Wunde,
        Wie der Hund die Schwären Hiobs.

        Dank dir, Hund, für deinen Speichel -
        Doch das kann nur kühlend lindern -
        Heilen kann mich nur der Tod,
        Aber, ach, ich bin unsterblich

 









 


Peter Jonas
Intendant der Bayerischen Staatsoper
liest
Gedichte, die ihm wichtig sind.
Einführung: Beate Kayser


Am Dienstag, dem 25.November 1997
um 20 Uhr
In der Marstall, Marstallplatz


Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99
Karten: Theater im Marstall oder Lyrik Kabinett

Wir freuen uns, daß wir nach Cristoph Vitali, mit der wir unsere Reihe "Meine Lieblingsgedichte" eröffneten, nun Peter Jonas für den zweiten Abend gewinnen konnten.



		Der Floh

	Sieh an den Floh und du erfährst,
	Wie wenig das ist, was du mir verwehrst.
	Er saugte mich aus und nun dich,
	Und unser Blut, im Floh vermischt es sich.
	Das kann man nicht als Sünd, Vergehn
	Und den Verlust der Jungfernschaft ansehn.
	Der Floh genießt, bevor er freit,
	Und wird von einem Blut aus zweien breit,
	Und wir, herrrje, sind nicht zu mehr bereit!


				John Donne

 









 


Franz Wurm

"Blue Oranges, oder die Augen der Pallas Athene.
Segmente eines Umgangs um Gedichte"

Am Donnerstag, dem 4.Dezember 1997
um 20 Uhr
In der Lyrik-Bibliothek, Schellingstr. 3 Rgb.

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Franz Wurm, geb. 1926 in Prag, emigrierte gerade noch rechtzeitig 1939 nach England. Er studierte 1943-47 in Oxford Germanistik und Romanistik und übersiedelte 1949 nach Zürich. Von 1966-69 war er Leiter des Kulturprogramms des deutsch-schweizerischen Radios in Zürich. Nach längeren Aufenthalten in Prag und Tel Aviv war er viele Jahre Leiter des Feldenkrais-Institutes in Zürich. Er übersetzte Rene Char, Paul Valery und Vladimir Holan. 1990 erschien der Sammelband "Dirzulande", der die vier früheren Gedichbände und zwei noch nicht veröffentlichte Zylen enthält.

1995 erschien sein umfangreicher Briefwechsel mit Paul Celan, mit dem er seit 1960 eng befreundet war.


        The spark in suspense

        Die Stunde die dich gesehn
        verliert mich zurück zurück
        Mein Atem blieb stehn
        in deinem Blick
        In solchen Augen
        wohnte ich gern

 









 


Vielleicht ist doch näher dem Meer meergleicher
wer es nicht sieht


Michael Basse
liest aus seinem neuen Gedichtband

Im Anschluß daran stell Hendrik Liersch die von ihm
gegründete Corvinus Press vor,
in der auch Michael Basses Gedichtband erschien.

Am Mittwoch, dem 10.Dezember 1997
um 20 Uhr
In der Lyrik-Bibliothek, Schellingstr. 3 Rgb.

Eintritt: DM 10,-/Studenten, Senioren DM 7,-
Telefon Lyrik Kabinett: 28644-148 oder 34 62 99

Michael Basse, Jahrgang 1957, wurde in Bad-Sulzuflen/NRW geboren. Er studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik in Regensburg und München, wo er seit 1984 lebt. Seine Gedichte erschienen in Zeitschriften (Akzente, Neue Literatur, die horen u.a.), 1992 erschien sein erster Gedichtband "Und morgens gibt es noch Nachricht" (Edition T. Pongratz). Basse arbeitet als freier Autor für Zeitungen und Hörfunk. Er übersetzte Gedichte von Blaga Dimitrova und Ljubomir Nikolov aus dem Bulgarischen.

Hendrik Liersch, geb. 1962 in Berlin-Mitte, wuchs in Johannisthal auf. Tischlerlehre und Arbeit in verschiedenen Berufen. 1990 gründete er die Corvinus Presse, Berlin. Seitdem zahlreiche Herausgaben, Buchgestaltungen (auch für andere Verlage) und Beiträge für Anthologien u.a. Seit 1990 auch MailArt.

Michael Basse: Die Landnahme findet nicht statt. Gedichte, Corvinus Presse 1997.


        "Vielleicht ist doch näher dem meer meergleicher wer es nicht sieht ..."

        Vielleicht ist doch näher dem meer meergleicher wer es nicht sieht nicht 
        hört verirrt im traumspiel betört erregt wie es züngelt vispert flüstert 
        ein langsamer leichter rauschzustand des blutes stop and go in den adern 
        venen ein herz rhythmuston ohne störung im menschheitsgedächtnis siebente 
        saite fließender unterton eine frequenz der kleinen membran die dem echo 
        jeder muschel erliegt hinaus hinaus ins zentrum des rauschens dort treiben 
        in einem endlosen salzsee drift sein nur drift nichts weiter als drift wie 
        die beiden mobilen schienenkontore der union pacific der western pacific zwei 
        ozeanküsten suchten ein meer das lag irgendwo dazwischen.

        (aus: Lob des Meeres, 1996)

 









 

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Stand: 17.10.1997