Lesungen und Veranstaltungen Sept.-Dez. 1997
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Zwei slowenische Dichter |
Kajetan Kovic, geb.1931 in Maribor, ist Lyriker, Essayist, Romancier, Übersetzer (Heine, Mallarme, Rilke, Pasternak). Kovics thematische Spannweite oszilliert zwischen Gesellschaft und Natur. War bis Anfang der siebziger Jahre seine Kritik vornehmlich gegen die Gesellschaft gerichtet, so wendet er sich später - diese allerdings bejahend - der Natur zu. In seinem lyrischen Werk erweist er sich als Meister des Verses und des Stils, tief verwurzelt in der slowenischen und europäischen Tradition. Eine Auswahl seiner Gedichte wurde im Februar 1995 in der Zeitschrift "Akzente" vorgestellt. Zarko Petan, geb. 1929 in Ljubljana, ist Schriftsteller, Hörspielautor und Regisseur. Nach der Wende war er Generalintendant des Slowenischen Rundfunks und Fernsehens. Er ist hauptsächlich als Aphoristiker und Theaterregisseur hervorgetreten, schreibt aber auch Gedichte. In deutscher Sprache erschien 1994 "Die Welt in einem Satz. Neue Aphorismen und kleine Lyrik" im Verlag Styria, der auch seine Aphorismenbände verlegt. Mikolaj Klaus E.Dutsch, geb.1934 in Karlsruhe, studierte Polonistik, Germanistik, Slawistik und Geschichte in Karlsruhe, Breslau, Lodz, Krakau, München und Ljubljana. Zahlreiche Aufenthalte in Ost- und Südosteuropa, u.a. als Berichterstatter für Hörfunk und Fernsehen. Lebt seit 1958 bei München. Übersetzer aus dem Polnischen, Russischen, Serbokroatischen, Slowenischen und Tschechischen. |
Geschichte
Aus fernen Landen
kam er
zu dir.
Auf einem niedrigen Pferd
ritt er lange
aus den Steppen im Osten.
Aus der Tundra trieb er
auf deiner Fährte
Herden von Hirschen.
An nächtlichen Feuern
und in finsteren Zelten
liebte er
deine künftige Gegenwart.
Jahrelang baute er ein Haus,
um in ihm deine ungeborene,
doch schon verheißene
Stimme zu hören.
.....
Kajetan Kovic
Wer viele Sprachen beherrscht, ist bei uns arm dran.
Er muß den Mund in mehreren Sprachen zugleich halten.
Zarko Petan
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Peter Gan, geb. 1894 in Hamburg, studierte Rechtswissenschaft in Marburg, Bonn und
Hamburg; nach der juristischen Promotion noch Studium der Anglistik und Philosophie. Seit
1927 freier Schriftsteller. 1938 Flucht nach Paris, 1942 weiter nach Spanien. Von 1946 - 1958
lebte er in Paris, dann Rückkehr nach Hamburg, wo er 1974 starb. Vor dem Krieg war Peter Gan,
mit bürgerlichem Namen Richard Möhring, u.a. Korrespondent der Frankfurter Zeitung und
Mitarbeiter des Atlantis-Verlags, nach dem Krieg verdiente er sich seinen Lebensunterhalt
als Übersetzer literarischer Werke aus dem Englischen und Französischen. "Es ist kein
Zweifel, daß Peter Gan die heitersten, lustigsten Gedichte seit Morgenstern geschrieben
hat, sprühende und knisternde Gebilde in denen die Erdenschwere zauberisch aufgehoben
erscheint; dicht daneben stehen jene anderen, die nicht minder kunstvoll auf dunkeln Grund
gezogen sind, von dem sich ihre zarte, dem Spiel nie ganz entfremdete Liniatur abhebt."
(Max Rychner) |
MEIN LESER ...
Mein Leser, sieh, mich hat das Grab.
So hängt es einzig von dir ab,
ob Kronos allen Lichtverbleib
mir, meinem Nachlaßschattenleib,
verwehren soll. So bitt ich denn
dich innig: lies mich! oder wenn
du keine Zeit zum Lesen hast,
lad deinen Freund bei mir zu Gast!
Schenk (antiquarisch) ihm mein Buch,
daß er es lese und den Fluch:
ganz zu verschwinden, von uns wende.
In seine, deine, eure Hände
leg ich mein Buch und mich dazu:
das Buch aufs Pult, und mich zur Ruh.
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Five, seven and five
learn it, live it and love it
that's the way it goes.
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Adam Zagajewski, geboren 1945 in Lemberg, studierte Psychologie und Philosophie in
Krakau. Er kam 1979 öber den DAAD nach Berlin, anschließend Reisen in die USA und nach
Frankreich. Seit 1982 lebt er in Paris und lehrt in den USA. Zagajewskis Werk wurde mit
mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Kurt-Tucholsky-Preis der Stadt Stockholm und
der Literaturpreis der Alfred Jurzkowski- Stiftung in New York. Im Hanser-Verlag erschienen
bereits vorher der Roman "Der Dönne Strich" (1985), die Essays "Solidarität und
Einsamkeit" (1986) und der Band "Gedichte" (1989), aus dem Zagajewski seinerzeit im
Lyrik Kabinett las. |
Geländer
Leider - sagt R. - zwischen dem Sein
und dem Nichtsein gibt es kein Mittelding,
nichts, nicht einmal einen Korridor, nicht einmal ein Geländer,
auf das sich die müden Adler niedersetzen könnten.
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John Kinsella wurde 1963 in Westaustralien geboren. Bisher hat er etwa ein Dutzend
Gedichtbände veröffentlicht, 1997 die experimentelle Erzählung "Genre". Zur Zeit
arbeitet er für Oxford University Press an einer Anthologie australischer Gegenwartslyrik
sowie am Oxford Book of Australian Pastoral Verse. Sein Vers-Drama "Crop Circles" steht
kurz vor der Aufföhrung. Er ist Herausgeber der Literaturzeitschrift "Salt". Sein Werk
wurde in viele Sprachen übersetzt, u.a. ins Französische, Deutsche, Chinesische und
Holländische. " "Wheat fires, salt hollows, lightning as a type of razor wire, lymphatic
fog, parrots with bolt-cutter beaks - here 's an anamnesis of rural Australia, but a poet
unafraid to honour it with the full stretch of his language." (Les Murray on "The Silo") |
The bird seen first time here
in forty years sings lightly
on the wire, you turn to touch
the shoulder of a friend
and turning back together
find nothing but sky
and wire trembling.
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Curt Meyer-Clason wurde 1910 in Ludwigsburg geboren. Er absolvierte eine Banklehre
und wurde Baumwollkaufmann. Sein Beruf führte ihn 1936 nach Brasilien und Argentinien,
wo er bis 1954 tätig war. Seit 1955 lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzter in
München, als Vermittler der iberischen und latein-amerikanischen Literatur. Von
1969 - 1977 leitete er das Goethe-Institut in Lissabon. |
Ich spreche ...
Ich spreche von der ersten Freiheit
Vom ersten Tag der Meer war und Licht
Tanz, Wind, Astwerk und Geheimnisse
Und eine so früh verstorbene erste Liebe,
Daß sie sich in allem verkörperte was lebte.
Sophia de Mello Breyner Andresen
Aus: No Tempo Dividido, 1954
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Luis Filipe de Castro Mendes, geb.1950, ist Lyriker und Romancier. Nach seinem
Abschluß in Jura schlug er die diplomatische Laufbahn ein, heute ist er Kabinettchef
des Staatssekretärs im Außenministerium in Lissabonn. Als Lyriker trat er erstmals in
den 80ere Jahren mit einer Auswahl seiner Gedichte in Erscheinung. Er liest aus dem
neuen Band "Modos de Musica" - "Arten von Musik" (1996). |
Beim Wiederlesen alter Verse
.........
Die Straße hinunter zum kleinen Platz
und zur Umgebung des Hauses;
das Licht lebt wieder auf
im Ocker der Wände, wie einst
im Vers. Und die Palme im Garten schlägt
den Takt der Zeit.
.........
Luis Filipe de Castro Mendes
Botschaften
Unsichtbar kehren die Wörter zurück
ins Halbdunkel, das herabsinkt und mich
fast schweigend umarmt. Die Straßen der Stadt
enthüllen jedes Gesicht der Vergangenheit ...
Fernando Pinto do Amaral
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Diana Kempff, geb.1945 in Thurnau in Oberfranken, lebt in Ammerland am
Starnbergersee. |
Sonntags
grad aufrecht daß die Sitze knackten
die Hände über dem gesmokten Kleid
Kreuzstich
Herzstich
die Stühle sonnten sich
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Gerschon Ben-David, Kind einer jüdischen Mutter, wuchs in Köln bei Pflegeeltern auf.
Sofort nach dem Krieg machte er sich auf die Suche nach seiner eigenen jüdischen Familie
und gelangte so nach Bergen-Belsen. Mit den Überlebenden, unter denen er seine Angehörigen
nicht fand, gelangte er 1947 nach Israel. Mitte der 50er Jahre begann er zu schreiben,
und zwar auf deutsch. Er gehört weder zu denen, die schon als Dichter nach Israel kamen und
auf deutsch weiterschrieben wie Werner Kraft und Else Lasker-Schüler, noch zu denen, die
wie Jehuda Amichai, Dan Pagis und Tuvia Rübner bewußt ins Hebräische übergingen. |
ALLEIN eine Esse
und das Korn grauer Winde
stören den Schlaf.
Ich sitze am Rand der Posaune
nicht klüger als Noah
doch die Brücke sägt schnell
fauliges Holz.
Auch die Tauben haben ihre Flügel abgelegt
und die Flut ist voll
zu verschlingen;
denn wir haben die Lagerfeuer
gelöscht und die Leuchttürme
von Oswiecim.
Allein eine Esse und Wind.
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Ernst Meister, geb.1911 in Hagen, Westfalen, studierte ab 1930 zunächst Evangelische
Theologie, später Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Marburg, Frankfurt und
Heidelberg, u.a. bei Karl Löwith und Hans-Georg Gadamer. |
ES GIBT
im Nirgendblau
ein Spiel, es heißt
Verwesung.
Es hängt
am Winterbaum
ein Blatt, es
dreht und
wendet sich.
Ein Schmetterling
ruht aus
auf Todes
lockerer Wimper.
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Rajzel Zychlinski wurde 1910 im polnischen Gabin geboren. |
Nachts,
wenn ich schlafe,
wacht an meinem Bett
mein Skelett,
auf weißen Knien -
eine weiße Fiedel.
Aus den Augenhöhlen
strömt die Mondscheinsonate
in meinen Traum.
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Dorothy Porter, geb. 1954 in Sydney, promovierte 1975 an der dortigen Universität
und veröffentlichte im selben Jahr ihre erste Gedichtsammlung. Sie unterrichtete creative
writing und ist heute Lektorin für Poetik und Poesie an der University of Technology,
Sydney. Ihre Gedichte erschienen in zahlreichen Zeitschriften und wurden in bisher
sechs Bänden gesammelt. |
Mickey wurde erwürgt.
Genug von ihr übrig,
um das sicherzustellen.
Diana legte ihre Hände
um meine Kehle
"Willst sehen wie's ist?"
und drückte ihre Handballen
zusammen
ihre Lippen strichen über meine Augen
ihr Knie in meiner Möse
ich zuckte zwischen Ersticken
und Kommen
und weiß nicht mehr, ob's schön war
oder nicht.
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Jerome Rothenberg, geb. am 11.12.1931 in New York, stammt aus einer jüdisch-polnischen
Familie. Sein Werk umfaßt über 50 Bände, darunter: Poems for the Game of Silence;
Poland / 1931; A Seneca Journal; Vienna Blood; That Dada Stain; New Selected Poems 1970-85;
Khurbn & Other Poems; The Lorca Variations. |
TWENTIETH CENTURY UNLIMITED
as the twentieth century winds down
the nineteenth begins
again
it is as if nothing happened
though those who lived it thought
that everything was happening
enough to name a world for & a time
to hold it in your hand
unlimited the last delusion
like the perfect mask of death
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Raoul Schrott, geb. 1964 in Landeck, Tirol, aufgewachsen in Tunis und in
Seillans (und Innsbruck) zuhause. Studium der Germanistik und Anglistik in
Innsbruck, Paris und Norwich. 1995 Leonce-und-Lena-Preis. |
Wenn du die liebe die ganze nacht
gefangen hältst dein finger auf den
spitzen ihrer brüste wie ein vergiß
mein nicht auf einer offenen hand -
so werden wir draußen warten und
singen von dir und ihrer liebe - doch
sobald du wieder wach wirst geh und
laß auch uns zum schlafen kommen
Sappho (fragment 39D, Nachdichtung R.S.)
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MARINA ZWETAJEWA, am 8.Oktobrer 1892 in Moskau geboren, lebte ab 1922 als
Emigrantin in Berlin, Prag und Paris. 1939 kehrte sie nach Sowjetrußland zurück.
Am 31.August 1941 beging sie in Jelabuga Selbstmord. "In Zwetajewas Stimme schwang
etwas dem russischen Ohr Unbekanntes und Erschreckendes: daß die Welt unannehmbar ist."
(Joseph Brodsky) |
Keiner hat es je überwunden!
Wie schön sind wir zwei uns - fremd.
Ich küsse dich - über Hunderte
Wersten von dir getrennt.
Ungleich sind, ich weiß, unsere Gaben,
Meine Stimme zum erstenmal - still.
Ist dir, du mein junger Derschawin,
Mein Vers nicht zu ruppig, zu schrill?
Für den schrecklichen Flug gesegnet:
Junger Adler, zum Himmel gekehrt!
Die Sonne ertrugst du, ohne Regung -
Mein Blick ist dir plötzlich zu schwer?
So zärtlich und unwiderrufen
Hat dir noch keiner nachgeblickt ...
Nimm diesen Kuß - über Hunderte
Trennender Jahre geschickt.
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Klaus Briegleb, Literaturhistoriker, Prof. em. an der Universität Hamburg,
ist Herausgeber der "Sämtlichen Schriften" Heinrich Heines bei Hanser (1968-1976),
die jetzt auch im dtv vorliegen. Arbeiten zur deutschen Literatur des 18., 19. und
20. Jahrhunderts (zuletzt zur Gruppe 47), zur Literaturtheorie, Wissenschaftsgeschichte
und politischen Sprachkritik sowie zu den jüdisch-deutschen Kulturbeziehungen in der
Literatur. |
Bei den Wassern Babels saßen
Wir und weinten, unsre Harfen
Lehnten an den Trauerweiden -
Kennst du noch das alte Lied?
Kennst du noch die alte Weise,
Die am Anfang so elegisch
Greint und sumset, wie ein Kessel,
Welcher auf dem Herde kocht?
Lange schon, jahrtausendlange
Kochts in mir. Ein dunkles Wehe!
Und die Zeit leckt meine Wunde,
Wie der Hund die Schwären Hiobs.
Dank dir, Hund, für deinen Speichel -
Doch das kann nur kühlend lindern -
Heilen kann mich nur der Tod,
Aber, ach, ich bin unsterblich
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Wir freuen uns, daß wir nach Cristoph Vitali, mit der wir unsere Reihe "Meine Lieblingsgedichte" eröffneten,
nun Peter Jonas für den zweiten Abend gewinnen konnten. |
Der Floh Sieh an den Floh und du erfährst, Wie wenig das ist, was du mir verwehrst. Er saugte mich aus und nun dich, Und unser Blut, im Floh vermischt es sich. Das kann man nicht als Sünd, Vergehn Und den Verlust der Jungfernschaft ansehn. Der Floh genießt, bevor er freit, Und wird von einem Blut aus zweien breit, Und wir, herrrje, sind nicht zu mehr bereit! John Donne |
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Franz Wurm, geb. 1926 in Prag, emigrierte gerade noch rechtzeitig 1939 nach
England. Er studierte 1943-47 in Oxford Germanistik und Romanistik und
übersiedelte 1949 nach Zürich. Von 1966-69 war er Leiter des Kulturprogramms des
deutsch-schweizerischen Radios in Zürich. Nach längeren Aufenthalten in Prag und
Tel Aviv war er viele Jahre Leiter des Feldenkrais-Institutes in Zürich. Er übersetzte
Rene Char, Paul Valery und Vladimir Holan. 1990 erschien der Sammelband "Dirzulande",
der die vier früheren Gedichbände und zwei noch nicht veröffentlichte Zylen enthält. |
The spark in suspense
Die Stunde die dich gesehn
verliert mich zurück zurück
Mein Atem blieb stehn
in deinem Blick
In solchen Augen
wohnte ich gern
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Vielleicht ist doch näher dem Meer meergleicher
Michael Basse |
Michael Basse, Jahrgang 1957, wurde in Bad-Sulzuflen/NRW geboren. Er studierte
Philosophie, Psychologie und Germanistik in Regensburg und München, wo er seit 1984
lebt. Seine Gedichte erschienen in Zeitschriften (Akzente, Neue Literatur, die horen
u.a.), 1992 erschien sein erster Gedichtband "Und morgens gibt es noch Nachricht"
(Edition T. Pongratz). Basse arbeitet als freier Autor für Zeitungen und Hörfunk.
Er übersetzte Gedichte von Blaga Dimitrova und Ljubomir Nikolov aus dem Bulgarischen. |
"Vielleicht ist doch näher dem meer meergleicher wer es nicht sieht ..."
Vielleicht ist doch näher dem meer meergleicher wer es nicht sieht nicht
hört verirrt im traumspiel betört erregt wie es züngelt vispert flüstert
ein langsamer leichter rauschzustand des blutes stop and go in den adern
venen ein herz rhythmuston ohne störung im menschheitsgedächtnis siebente
saite fließender unterton eine frequenz der kleinen membran die dem echo
jeder muschel erliegt hinaus hinaus ins zentrum des rauschens dort treiben
in einem endlosen salzsee drift sein nur drift nichts weiter als drift wie
die beiden mobilen schienenkontore der union pacific der western pacific zwei
ozeanküsten suchten ein meer das lag irgendwo dazwischen.
(aus: Lob des Meeres, 1996)
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